Hürth, 11. September 2026 – Die Stadt Hürth setzt bei der Suche nach der Ursache der wiederkehrenden Geruchs-
belästigungen auf neue technische Möglichkeiten: Gemeinsam mit dem techHAUS und dem AI Village wurde kurzfristig eine Anwendung entwickelt, die Geruchsmeldungen aus Hürth und Brühl mit lokalen Wetterdaten verknüpft. Dadurch werden räumliche und zeitliche Muster sichtbar, die den zuständigen Immissionsschutzbehörden zusätzliche Hinweise auf mögliche Ursprungsrichtungen der Gerüche liefern können.
„Wir wollen alle Möglichkeiten nutzen, die uns bei der Suche nach der Ursache weiterbringen können. Mit dem techHAUS und dem AI Village verfügen wir in Hürth über besondere technologische Kompetenzen, die wir ganz konkret für diese Herausforderung einsetzen. Die neue Analyse ist ein zusätzliches Werkzeug, mit dem wir die zuständigen Behörden bei der Eingrenzung der Emissionsquelle unterstützen“, erklärt Bürgermeister Dirk Breuer.
Für eine erste Auswertung wurden 817 Geruchsmeldungen aus dem Zeitraum vom 3. Juli bis zum 19. August 2026 untersucht – 470 aus Hürth und 347 aus Brühl. Die Anwendung bündelt diese Meldungen zeitlich und räumlich und verknüpft sie mit Angaben zur Windrichtung und Windgeschwindigkeit. Dabei greift sie für Hürth auf lokale Messwerte der Feuer- und Rettungswache sowie des Chemieparks Knapsack zurück. Diese bilden die örtlichen Windverhältnisse genauer ab als die Daten der weiter entfernten Wetterstation am Flughafen Köln/Bonn.
Ergänzend wertet das AI Village die frei formulierten Geruchsbeschreibungen mithilfe Künstlicher Intelligenz aus. Angaben zu beispielsweise fauligen, chemischen oder teerigen Gerüchen werden bestehenden Kategorien zugeordnet und können dadurch systematisch verglichen werden.
Zeiträume mit besonders vielen Beschwerden werden als sogenannte Cluster dargestellt. Eine kartografische Visualisierung verbindet die Meldeorte mit Intensität und Art der wahrgenommenen Gerüche sowie den jeweils herrschenden Windverhältnissen.
Für mehrere größere Beschwerdehäufungen Ende Juli und Anfang August zeigt die Analyse beispielsweise westliche beziehungsweise südwestliche Windrichtungen. „Aus vielen einzelnen Meldungen entsteht so ein besser interpretierbares Gesamtbild.
Die Anwendung macht mögliche Zusammenhänge unmittelbar sichtbar und kann Fachleuten zusätzliche Anhaltspunkte für die weitere Ursachenforschung geben“, erläutert Prof. Dr. Wolfgang Prinz vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT, der die Entwicklung im techHAUS federführend begleitet hat. Die Anwendung wurde dort innerhalb kurzer Zeit mithilfe KI-gestützter Softwareentwicklung umgesetzt.
Die Analyse kann Hinweise liefern, ersetzt jedoch nicht die fachliche Bewertung und die abschließende Identifikation eines möglichen Verursachers. Die Stadt Hürth wird die Ergebnisse jetzt den zuständigen Immissionsschutzbehörden zur Verfügung stellen und erwartet, dass nun unmittelbar gehandelt wird.
Seit Wochen kommt es in Hürth und angrenzenden Kommunen wiederholt zu Geruchsbelästigungen. Gemeinsam mit Brühl und Erftstadt hat die Stadt Hürth auf eine konsequente Ursachenforschung gedrängt. Die zuständigen Behörden haben ihre Ermittlungen inzwischen intensiviert und die Kontrollen auf Nachtzeiten und Wochenenden ausgeweitet. Eine eindeutige Ursache konnte bislang nicht festgestellt werden.