Stimme aus dem Netzwerk

Die größte Hürde beim Einsatz von KI-Agenten liegt in der Integration

Autor dieser Ausgabe unserer Serie „Stimme aus dem Netzwerk“ ist Dr. Héctor Allende-Cid, Leiter der Agentic AI Expert Group am Fraunhofer IAIS

 

KI-Agenten bezeichnen Systeme mit Künstlicher Intelligenz, die mit einem gewissen Maß an Autonomie agieren, Entscheidungen treffen und Ziele verfolgen, ohne ständig von Menschen überwacht zu werden.


Das sieht in der Demonstration beeindruckend aus. In der praktischen Umsetzung beginnt die eigentliche Arbeit jedoch erst. Aktuelle Umfragen, unter anderem von Anthropic, bestätigen, was sich auch in der Forschung zeigt: Rund die Hälfte der befragten Unternehmen betrachtet nicht die KI selbst, sondern ihre Integration in bestehende Systeme als größte Herausforderung. Große Unternehmen betreiben häufig mehrere hundert Anwendungen, von denen nur etwa ein Viertel miteinander verknüpft ist.


Für KMU mit veralteten Systemen ist die Lage oft noch komplexer: ERP-Lösungen, die in die Jahre gekommen sind, MES mit eigenen Protokollen oder voneinander isolierte Datenbanken erschweren die Anbindung zusätzlich. Ein Agent, der Dokumente zusammenfasst, kann ein sinnvoller erster Schritt sein. Seine volle Wirkung entfaltet er aber erst, wenn er direkt auf das ERP zugreifen, den Status prüfen und Vorgänge für die Qualitätssicherung protokollieren kann.

„KI-Agenten scheitern in Unternehmen selten an ihren Fähigkeiten – sondern an der Integration in bestehende IT-Landschaften.“

Derzeit bauen Unternehmen solche Anbindungen meist individuell auf: mit speziellen Adaptern, manuell geschriebenem API-Code und einem hohen Aufwand für jedes einzelne System. Dieses Vorgehen ist auf Dauer nicht skalierbar.


Was häufig fehlt, ist eine einheitliche Zugangsebene zwischen Agenten und Unternehmenssystemen. Der Agent deklariert, welche Ressourcen er benötigt; diese Ebene übernimmt die Authentifizierung, setzt Zugriffsrichtlinien durch und protokolliert jede Aktion. So wird Governance von einer abstrakten Leitlinie zu einer nachvollziehbaren und auditierbaren Zugriffskontrolle im laufenden Betrieb. Dadurch lässt sich transparent machen, wann auf welche Daten zugegriffen wird.


Aus Forschungsperspektive gehört diese Integrationsherausforderung zu den zentralen offenen Fragen im Bereich agentischer KI. Die eigentliche Hürde, die viele Agenten in der Pilotphase hält, ist kein Problem des Modells, sondern ein Engineering-Thema. Mit dem richtigen Ansatz lässt sich diese Lücke schließen, ohne die bestehende Systemlandschaft grundlegend ersetzen zu müssen.