Viele Unternehmen haben generative KI inzwischen ausprobiert: Texte kürzen, E-Mails formulieren, Ideen sammeln, Informationen zusammenfassen. Das ist ein sinnvoller Einstieg. Aber das ist noch kein belastbarer KI-Einsatz.
Die nächste Entwicklungsstufe heißt Context Engineering. Gemeint ist: Nicht der einzelne Prompt entscheidet über die Qualität, sondern der Arbeitskontext, den ein KI-System erhält. Welche Dokumente sind relevant? Welche Unternehmensregeln gelten? Welche Beispiele zeigen ein gutes Ergebnis? Welche Daten dürfen verwendet werden und welche ausdrücklich nicht? Für KMU ist das besonders wichtig, weil KI nur dann produktiv wird, wenn sie an echte Abläufe anschließt.
Noch praktischer wird es beim Harness Engineering: Die KI wird in einen sicheren Arbeitsrahmen eingebettet. Sie bekommt definierte Tools, klare Grenzen, Prüfschritte und Verantwortlichkeiten. So entsteht aus einer Chat-Anfrage ein KI-Workflow, etwa für Kundenservice, Wissensmanagement, Angebotserstellung, interne Recherche oder Formularprozesse.
Während KI-Agenten an Bedeutung gewinnen, erhalten sie somit einen Rahmen in denen sie operieren können. Sie beantworten nicht nur Fragen, sondern zerlegen Aufgaben in Teilschritte, nutzen Werkzeuge, prüfen Zwischenergebnisse und können erste Prototypen erzeugen. Damit verschiebt sich die Frage für Unternehmen von „Welches KI-Tool testen wir?“ zu „Welchen Prozess können wir mit KI messbar verbessern?“
„Der perfekte Prompt reicht nicht mehr.
KI wird erst dann produktiv, wenn Kontext, Tools und Verantwortung zusammenspielen.
Aus Experimenten werden so belastbare und messbare Workflows.“
Wie solche Ansätze konkret aussehen können, zeigt sich beim GovTech Prompt-a-thon 2026 von Wolters Kluwer am 18. Juni in Hürth. Dort wird innerhalb eines Tages sichtbar, wie aus Ideen prototypische KI-Workflows entstehen – von smarter Prozessautomatisierung über bürgernahe Kommunikation bis hin zu intelligenten Formular- und Serviceansätzen. Entscheidend ist dabei weniger die einzelne Lösung, sondern der strukturierte Rahmen: klare Use Cases, definierte Bedingungen und die Verbindung aus fachlichem Wissen und kritischer Einordnung der Ergebnisse.
Der eigentliche Mehrwert entsteht nicht durch KI allein, sondern dort, wo Unternehmen Kontext, Prozesse, Daten und menschliche Verantwortung zusammenbringen und gezielt zur Verbesserung ihrer Workflows einsetzen.